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Mittwoch, 1. Januar 2014

The Rock - Ein Fels im Wüstengarten

Über den Bau eines Spaltengartens (crevice garden) im neu hinzugekommenen Beet "Dryland".

Erstmals kam ich mit dieser Art der Steinlegung 2010 im Garten von Fritz Kummert in Kontakt. Bis dahin war meine Auffassung, dass aufrecht stehende Steine stets unnatürlich wirken. Ein absolutes No-Go!
Auch verstand ich nicht recht den Sinn des enormen Aufwandes, benötigt man doch Unmengen an Steine, obwohl man davon später nur wenig sieht. Ökonomisch erschien mir das nicht gerade.
Ich baute gerade an meinem "Wüstenbeet IV" für meine Kakteen und Yuccas und konnte mit dieser, mir neuen Art der Gestaltung nicht wirklich etwas anfangen.
Beet #4 in Bau nach meiner herkömmlichen Bauweise
Im Winter 2013 war es wieder an der Zeit, sich mit einer Erweiterung der Beete auseinander zu setzten und auch ein Spaltengarten wurde in die Überlegungen mit einbezogen. Es leuchtete mir irgendwann ein, dass die tiefen Felsspalten wohl einen perfekten Wurzelraum für viele empfindliche Pflanzen abgeben würden. Mit handlichen Steinen die Illusion eines Felsen zu schaffen, der auch noch bepflanzbar ist, war für mich schon sehr verlockend.
Kalksteinfelsen mit Primula auricula, Pecol-Alm, Italien
Wie macht man so etwas? Sollte ich die gesamte Anlage so bauen? Sieht das überhaupt gut aus?
Im WWW sind viele gute Infos und aussagekräftige Bilder zu finden. Auf Wanderungen habe ich vielleicht auch noch bewusster auf den Aufbau der Felswände geachtet.
Aufstieg zur "Cima di Terra Rossa" in den Julischen Alpen

Aufstieg zur "Cima di Terra Rossa" in den Julischen Alpen
Nahe an meinem Heimatort gibt es eine schöne Felswand aus Gneis - die Geierwand. Dieser Gneis bricht Blockweise und entspricht eher meiner bisherigen Bauweise: Auch mit relativ kleinen Steinen möglichst viel Oberfläche zu erzielen und den Eindruck erwecken, dass es sich um einen tief in der Erde sitzenden Stein handelt.
Geierwand
In der ebenfalls nahe gelegenen Weizklamm hingegen das Gegenteil: oft senkrecht geschichteter Kalkstein.
Felsen in der Weizklamm (am Jägersteig)
Weizklamm, Jägersteig
Geht man mit offenen Augen durch die Natur, erkennt man, das im Grunde alles möglich ist. Warum nicht auch Höhlen, überhängende Felsen, Geröllflächen und ausgetrocknete Wasserläufe im Garten zumindest andeuten? Ich habe das mal im Garten versucht um so einige Pflanzen ganzjährig vor Regen zu schützen.
Überhängende Steine im "Dryland"
Die Idee mit dem Spaltengarten wurde ursprünglich aufgrund des zu hohen Aufwandes wieder verworfen.
Es begann dann jedoch bei der Arbeit ganz harmlos: Ein großer Stein in der Anlage passte einfach nicht zu den anderen. Eine gute Gelegenheit um sich mal daran zu versuchen, einen paar Felsspalten zu schaffen.
Erster Versuch eines Spaltengartens
Schnell fand ich Freude daran und ein zweiter, etwas größerer "Fels" entstand an einer anderen Stelle, welcher alsbald weiter ausgebaut wurde.
Viele kleine Pflanzen würden in den Spalten Platz finden! Wunderbar! Sofort versuchte ich die Plätze mit Pflanzen zu belegen, die ich in den Jahren zuvor angezogen hatte. Keine Frage, die Spalten waren schnell bepflanzt und da das gesamte Beet bereits aus allen Nähten platzte dachte ich bereits wieder an eine Vergrößerung.
Die Erweiterung im Sommer sollte eigentlich ohne großen Aufwand vonstatten gehen. Ich wollte bloß den Schotter aufbringen und direkt hinein pflanzen.
Das gelieferte Material hatte aber nur geringen Feinanteil und bestand fast nur aus recht handlichen Steinen. Ich besorgte mir zusätzlich noch einen Laster mit feinem Schotter und begann die Steine zu schlichten. Irgendwo mussten sie nun verarbeitet werden, was sollte ich sonst damit?!
Es war sehr mühsam in der Sommerhitze, aber ich fertigte weitere zwei "Felsen" an. Den Rest an überschüssigen Steinen nutzte ich dann aber doch lieber für den Unterbau der kleinen Hügel.
Es kam, wie es kommen musste: Obwohl ich schon zusätzliches Material bezogen habe, gingen mir Schotter und Steine am Ende doch aus. Ich hatte mir allerdings bereits eine Alternative zurechtgelegt!
Wir haben hier sehr unterschiedliche Gesteine in der nächsten Umgebung, mit sehr abrupten Übergängen. Es musste also auch im Garten möglich sein, mit unterschiedlichen Gesteinen zu arbeiten, ohne dass es wie ein Schaugarten eines Steinhändlers aussieht..
Zugegeben: Hätten die herangekarrten Steine bis zum Schluss gereicht, hätte ich dieses mal auf eine weitere Gesteinsart verzichtet. So kamen aber die ein Jahr zuvor gesammelten Quarzit-Steine vom benachbarten Feld zum Einsatz. Ältere Beete im Wüstengarten wurden schon mit diesem Gestein gebaut.
Bauarbeiten an "The Rock"
Grobe Steine bilden den Unterbau. Darüber wurden, eingebettet in den feineren Schotter die Steine so geschlichtet, dass der Eindruck eines geschichteten Felsens entsteht.
Bauarbeiten an "The Rock"
fertiggestellt und bereit zum Bepflanzen
Ob ich da zuviel gewagt habe? Nass ist der Farbunterschied schon enorm, aber das braun wiederholt sich auch in den anderen Steinen. Mit der Zeit wird die Farbe aber ohnehin ausbleichen.
Durch seine "herausragende Wirkung" kam mir bei der Pflanzarbeit die Idee, diesen Bereich "The Rock" zu nennen.
"The Rock"
Fürs Erste wurden die Spalten mit einigen winterharten Kakteen, Yuccas und Penstemon laricifolius gepflanzt, sowie mit passendem Quarzitgrus abgedeckt. Jetzt heißt es wieder Samen und Pflanzenlisten zu durchstöbern, um "The Rock" gebührend zu begrünen.

Gerhard

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